Weihnachtsbotschaft der EGDSN 2009 - 26.12.209

Liebe Freundinnen und Freude der deutschsprachigen Gemeinde,

so, das Gröbste an Weihnachten wäre schon geschafft. Der Geschenkestress liegt hinter uns. Der Heilige Abend, an dem man nicht so recht alleine bleiben möchte, wäre überstanden. Diffuse Gefühle, die einen an ein Zuhause, an Winter und Schnee, an eine heimeliche Familienidylle und an deutsche Kulturgüter erinnern, sind schon wieder eingemottet. Mit mehr Frieden hatten wir eh nicht gerechnet. Und dass die Welt über Nacht besser geworden sein sollte - wir sind doch keine Träumer.  
So richten wir uns schnell wieder in dem Alltäglichen ein. Alles läuft weiter. Schön, dass man mal 2 Tage frei hatte.

Aber halt! - Eins wird bleiben. - Da liegt es noch, das Christkind. Es ist erst 2 Tage älter geworden. Es ist noch genauso hilfsbedürftig und angewiesen, dass man sich um das Kind kümmern muss. Ich bin gespannt, ob über Weihnachten dem Ijamido-Children's-Home in Ota ein neues Findelkind anvertraut wurde, ausgesetzt von einer verzweifelten Mutter, die kaum die Kraft hat, für sich selbst zu sorgen, geschweige denn für ein Kind. Wen wird das SO-SAID-Charity-Home am Heiligen Abend von den Straßen Lagos eingesammelt haben - einen Obdachlosen?, verwirrt?, verwahrlost?, dem Tode preisgegeben und doch noch gerettet? Wie wird es der deutschen Frau gehen, die am Heiligen Abend mittellos mit ihrem Kind vor dem Generalkonsulat in Lagos abgesetzt wurde.

Noch lacht das Kind uns an. Unser Blick ist noch ganz verzaubert von dem Glanz der vielen Lichter und Kerzen.

Aber ja, der Alltag. Sollen sich doch andere drum kümmern. Schließlich bin ich nicht schwanger geworden. Und ich bin auch nicht der Vater, es wäre zumindest unwahrscheinlich.
Und die bessere Welt, was kann ich schon dazu beitragen. Kann ich dir bessere Luft besorgen. Wem nützt das schon, wenn ich weniger Auto fahre, weniger fliege oder womöglich auf die AC verzichte? Dann kriegst du eben den Dreck von den Anderen ab. Das nutzt doch gar nichts. Es müssten sich schon Alle ändern - das ist doch illusorisch. Wenn die in Kopenhagen auf der Klimakonferenz zu keinen Veränderungen bereit sind, dann bin ich eh machtlos. OK, in 50 Jahren steht Lagos unter Wasser, aber bis dahin kannst du ja Schwimmen lernen.  
Das tut mir leid, dass du keine Bildungschancen hast. Ich kann dich nicht mit nach Deutschland nehmen und die Schulgebühren werden nur für Kinder von Firmenangehörigen übernommen. Aber natürlich haben unsere Kinder schöne Weihnachtsgeschenke bekommen. Wir haben unsere Kinder doch lieb. Aber es reicht eben nicht für alle. Ich hab die Welt doch nicht so eingerichtet. Geh doch zurück zu deinem Vater in den Himmel und frag den, warum du bei uns keine Chance hast. Der muss es doch wissen. Und dann lass uns in Frieden. Wir haben sowieso schon genug um die Ohren, da können wir dein Geplärr nicht auch noch gebrauchen. - Fängst du schon wieder an - du kannst uns mal kreuzweise!

Liebe Freundinnen und Freude,

Weihnachten wird erst dann zu "Frohe Weihnachten" und zu einem "Gesegnetem Fest", wenn wir das Wunder der Weihnacht annehmen. Gott vertraut sich unseren Händen an. Wir werden gebraucht und mit unseren Begabungen ernstgenommen. Wir dürfen unseren Beitrag leisten, auf den wir hinterher stolz sein können. Gott lässt uns nicht außen vor, wir sind mitten drin in der Weihnachtsgeschichte.

So will Gott mit uns sein im Jahr 2010  - und wir...
... sind mit ihm unterwegs

Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Jahr 2010
Ihr Pfarrer Christoph Roller